Newsletter fühl Denkentscheider

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Bist du Fühl- oder Denk-Entscheider:in?

Die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen, ist bis zu einem gewissen Grad angeboren

„Das ist hart aber gerecht“, ist eine Aussage, die typisch für einen Denk-Entscheider ist. „Lasst Gnade vor Recht ergehen“, wird man eher von einem Fühl-Entscheider hören. Die beiden Persönlichkeitstypen haben genetisch bedingt unterschiedliche Grundeinstellungen.

Wir alle kommen mit bestimmten Veranlagungen auf die Welt. Diese angeborenen Persönlichkeitsmerkmale wurden von etlichen Psychologen und Neuropsychologen erforscht. Ich arbeite als Psychotherapeutin mit einem Konzept aus vier psychologischen Dimensionen und insgesamt 16 unterschiedlichen Charakteren. Diese Typenlehre zu kennen, kann uns dabei helfen, eine bessere Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis zu erlangen und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen glücklicher zu gestalten. Wenn wir unser Gegenüber verstehen, können wir schließlich entsprechend mit ihm umgehen, oder?

Die dritte psychologische Dimension bezieht sich darauf, wie ein Mensch Entscheidungen trifft. Lässt er sich eher von seinen Gefühlen oder seiner Vernunft leiten? Zwischen Fühl- und Denk-Entscheidern knallt es häufig, weil sie in ihrem Kommunikationsstil und Verhalten ziemlich konträr sind.

Diese beiden Typen bewegen sich quasi aus entgegengesetzten Richtungen auf Menschen zu: Fühl-Entscheider sind sehr harmoniebedürftig, empathisch und loben gerne. Sie suchen beim Gegenüber zunächst das Gemeinsame. Die Denk-Entscheider stellen eher die Sache in den Vordergrund, sie denken lösungsorientiert und zweckdienlich. Das heißt nicht, dass sie nicht hilfsbereit sind, aber sie fühlen sich wohler, wenn es nicht um emotionale, sondern um praktische Ratschläge geht.

Bei meinen Vorträgen über die Persönlichkeitstypen gibt es an dieser Stelle übrigens oft Lacher, irgendeine Frau sagt garantiert „wie mein Mann“ oder ein Mann ruft „wie meine Frau“. Und ja, von den vier Dimensionen der Typenlehre ist dieser Teil der Einzige, der geschlechtsspezifische Unterschiede aufweist: Rund 65 Prozent der Männer sind Denk-Entscheider. Das ist allerdings kein Beleg für ein Klischee über ach-so-rationale Männer und ach-so-emotionale Frauen! Wir alle nutzen immer beide Funktionen, nur eben in unterschiedlichen Ausprägungen. Fühlorientierte Entscheidungen sind nicht irrational, nur weil sie die Beziehungsebene zwischen Menschen sehr genau betrachten. Denk-Entscheider ignorieren ihr Gegenüber nicht, ihre Sachkritik zeigt, dass sie den Anderen ernst nehmen.

Wichtig im Umgang ist, dass wir die Eigenart des anderen nicht auf uns persönlich beziehen. Dann haben wir den Blick frei für die Vorzüge unseres Gegenübers.

-> Für die Fühl-Entscheider kann es sehr hilfreich sein, die sachlichen Einwände eines Denk-Entscheiders zu berücksichtigen. Sie können ihn beispielsweise davor bewahren, sich mit zu viel Schwung für einen Mitmenschen zu engagieren, der scheinbar ihrer Hilfe bedarf.

-> Umgekehrt kann dem Denk-Entscheider auch das Einfühlungsvermögen eines Fühl-Entscheiders so manche Erkenntnis bringen – etwa wenn der ihn darauf aufmerksam macht, dass ein Freund oder Kollege sich vernachlässigt fühlt.

Meiner Erfahrung nach tut es gerade diesen beiden Typen gut, wenn sie sich ihrer Unterschiede und Stärken bewusst sind. Keiner dieser Charakterzüge ist nämlich dem anderen überlegen oder unterlegen. Gemeinsam können sie sich weiterentwickeln.

*Eine ausführliche Analyse und Aufschlüsselung gibt es in meinem Buch „ So bin ich eben“ (Kailash).