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Was bremst uns wirklich aus?

Für mehr Zufriedenheit müssen wir das Leben wagen – und nicht nur Gefahren vermeiden

Wer ein reiches Leben haben möchte, wer neue Erfahrungen machen möchte, kann nicht einfach nur abwarten. „Kommt Zeit, kommt Rat“ kann uns auch dazu verleiten, endlos lange in einer ungeliebten Situation zu verharren. Uns allen tut es gut, ganz bewusst Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Wir wollen nicht das Gefühl haben, dem Leben hilflos ausgeliefert zu sein. Das Leben soll uns nicht widerfahren! Wir sollten das Steuer in die Hand nehmen, Ziele definieren.

Dabei ist es für unser Wohlbefinden ganz erheblich, welche Art von Zielen wir uns setzen. In der Psychologie unterscheiden wir zwischen Annäherungs-und Vermeidungszielen. Bei der Annäherung habe ich ein klares Ziel vor Augen und weiß, wo es hingehen soll. Bei der Vermeidung bewege ich mich von etwas weg. Den Selbstwert vor einer Kränkung zu beschützen, ist ein typisches Vermeidungsziel. Jeder Mensch arbeitet ständig an größeren und kleineren Annäherungs- und Vermeidungszielen. Menschen, die jedoch über ein niedriges Selbstwertgefühl verfügen, neigen dazu, ihr Leben eher nach Vermeidungszielen auszurichten. Ihr größtes und häufig unbewusstes Anliegen ist es, nicht verletzt zu werden. Sie vollziehen ihr Leben in der Defensive, ihr Selbstschutz ist häufig ihr stärkstes Handlungsmotiv.

Das Schwierige an Vermeidungszielen ist, dass man sie – anders als Annährungsziele – nur schwerlich erfüllen kann. Bei einem Annährungsziel ist das Kriterium, wann man es erreicht hat, meistens recht klar definiert.  So möchte ich zum Beispiel mit Person XY eine feste Beziehung beginnen oder, ich möchte die nächste Beförderung erhalten. In beiden Fällen weiß ich, wann ich mein Ziel erreicht habe. Vermeidungsziele hingegen verlangen eine ständige Wachsamkeit – ich komme nicht am Ziel an, weil das Ziel negativ definiert ist. Ist die eine potenzielle Verletzung abgewendet, taucht schon direkt die nächste Gefahrensituation auf. Das Ziel „nicht-verletzt-zu-werden“ kann nicht erreicht werden, denn solange ich am Leben bin, bin ich verletzbar.

Vermeidungsziele sind also schlechter kontrollierbar als Annäherungsziele. Dieses Vermeidungsverhalten verhilft unsicheren Menschen daher nicht zu größerer, innerer Ruhe, sondern verursacht oft neuen Stress. Was dagegen hilft, sich so auszubremsen, ist die Arbeit am Selbstvertrauen. Je mehr wir uns nämlich selbst vertrauen, desto höher ist unsere innere Gewissheit, mit Niederlagen umgehen zu können. Erst wenn wir uns zutrauen, einen Tiefschlag aushalten zu können, ist unser Kopf frei für hochfliegende Pläne und wir können Annäherungsziele anpeilen.