Warum geraten wir so oft in dieselben Konflikte? Warum bleiben wir in Beziehungen, die uns nicht guttun? Und was steckt psychologisch hinter vielen Phänomenen unserer Zeit?
In meinem neuen Buch „Ich erklär das jetzt mal psychologisch“ beschäftige ich mich in 45 lebensnahen, kurzen Texten mit den großen und kleinen Fragen unseres Alltags. Es geht um Beziehungen, Selbstwert, Kommunikation und gesellschaftliche Entwicklungen – immer mit dem Ziel, psychologische Zusammenhänge verständlich zu machen und einen neuen Blick auf scheinbar Selbstverständliches zu öffnen.
Am 16. September erscheint „Ich erklär das jetzt mal psychologisch“ im Kailash Verlag.
Ich freue mich sehr, wenn das Buch euch gefällt und den einen oder anderen Denkanstoß gibt.
„Die Psyche ist die Schaltzentrale des Menschseins“
Was hat mich dazu bewegt, dieses Mal keinen klassischen Ratgeber, sondern einen Essayband zu schreiben? Welche Themen liegen mir besonders am Herzen? Und wie kann psychologisches Wissen nicht nur unseren Blick auf uns selbst, sondern auch auf gesellschaftliche Entwicklungen verändern?
Im Interview erzähle ich mehr über die Entstehung von „Ich erklär das jetzt mal psychologisch“, über meine ganz persönlichen Gedanken im Buch – und darüber, warum wir ein besseres Verständnis für unsere Psyche heute vielleicht dringender brauchen denn je.
Ihr neues Buch „Ich erklär das jetzt mal psychologisch“ ist kein Ratgeber, sondern ein Essayband. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Stefanie Stahl: Mir gehen immer wieder Themen durch den Kopf, bei denen ich denke: Die sind spannend, aber sie tragen kein ganzes Buch. Gleichzeitig werde ich oft gefragt, ob ich nicht einmal über dieses oder jenes Thema schreiben möchte. Da habe ich häufig gedacht: Das ist schon einen Essay wert! In diesem Buch konnte ich sehr unterschiedliche psychologische und gesellschaftliche Themen aufgreifen, die mir unter den Nägeln brennen. Die Essays haben mir außerdem ein freieres Schreiben ermöglicht, deshalb hat mir dieses Buch besonders viel Spaß gemacht.
Wie viel Persönliches von Stefanie Stahl steckt in diesem Buch?
Stefanie Stahl: Ich arbeite immer wieder mit persönlichen Beispielen. Auch meine Haltung und meine persönlichen Einschätzungen fließen in die Texte ein. Deshalb steckt tatsächlich eine Menge von mir in diesem Buch. Ich würde sogar sagen, dass es mein persönlichstes Buch ist, weil Essays einfach mehr Raum für persönliche Gedanken und Beobachtungen lassen.
Sie behandeln in diesem Buch nicht nur Fragen zum Selbstwert, Beziehungen oder Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch gesellschaftliche Themen wie Polarisierung, Verschwörungstheorien oder unsere Diskussionskultur. Warum ist Ihnen das wichtig?
Stefanie Stahl: Mich interessiert, was gesellschaftliche Entwicklungen mit uns Menschen machen. Deshalb greife ich Themen auf, über die derzeit viele Menschen sprechen – etwa gesellschaftliche Spaltung, unsere Diskussionskultur, Verschwörungserzählungen oder Gesundheit und Älterwerden. Mich interessiert dabei immer dieselbe Frage: Welche psychologischen Mechanismen stecken hinter diesen Phänomenen? Denn Psychologie erklärt menschliches Verhalten. Sie hilft uns also auch zu verstehen, warum Menschen beispielsweise an Verschwörungserzählungen glauben oder warum Diskussionen oft so erbittert geführt werden. Genau das möchte ich verständlich machen.
Gibt es einen Essay in diesem Buch, der Ihnen besonders am Herzen liegt?
Stefanie Stahl: Eigentlich sind mir alle Texte wichtig, weil ich nur über Themen geschrieben habe, die mir persönlich am Herzen liegen. Besonders mag ich den Essay „Ein Appell an alle, die eine feste Beziehung suchen“, weil ich Menschen darin ermutige, ihre eigenen Wünsche ernst zu nehmen. Sehr wichtig ist mir aber auch der Essay über „Longevity“ – über den versteckten Kontrollwahn und die Angst vor dem Sterben. Ich finde es psychologisch hochinteressant, wie sehr wir versuchen, das Altern zu kontrollieren, statt uns mit unserer Endlichkeit auseinanderzusetzen.
Warum boomt Psychologie gerade so?
Stefanie Stahl: Viele Menschen haben inzwischen verstanden, wie fundamental wichtig die Psyche ist. Sie macht uns als Menschen aus – unsere Wahrnehmung, unser Denken, unsere Emotionen und unser Verhalten. Die Psyche ist letztlich die Schaltzentrale des Menschseins. Je besser wir verstehen, wie sie funktioniert, desto besser können wir uns selbst und andere verstehen. Danach sehnen sich viele Menschen.
Welches Missverständnis über die menschliche Psyche begegnet Ihnen derzeit am häufigsten?
Stefanie Stahl: Nach wie vor glauben viele Menschen, die Psyche sei extrem komplex und hochindividuell. Natürlich ist jeder Mensch einzigartig. Aber die psychologischen Grundmuster, nach denen wir funktionieren, ähneln sich viel stärker, als die meisten glauben. Genau diese Strukturen verständlich zu machen, ist meine Mission. Wenn Menschen sie einmal erkannt haben, merken sie oft auch: Ich bin mit meinem Problem gar nicht so allein, wie ich immer dachte.
Kann ein stärkeres Bewusstsein für Psychologie unsere Gesellschaft verändern?
Stefanie Stahl: Wenn ein Mensch seine Emotionen und sein Verhalten besser reflektiert, hat das Auswirkungen auf das Miteinander. Wenn das viele Menschen tun, hat das zwangsläufig auch große gesellschaftliche Auswirkungen. Ich bin überzeugt, dass mehr Selbstreflexion beispielsweise auch unsere Diskussionskultur verändern kann. Wer die eigenen Motive und Emotionen besser versteht, begegnet oft auch anderen Menschen mit mehr Offenheit und Verständnis – selbst dann, wenn sie andere Überzeugungen oder Lebensentwürfe haben. Mehr Selbstreflexion bedeutet aus meiner Sicht auch mehr Empathie und mehr Bereitschaft, andere Perspektiven auszuhalten. Genau das brauchen wir im Moment mehr denn je.
Neugierig geworden?
„Ich erklär das jetzt mal psychologisch“ erscheint am 16. September im Kailash Verlag und kann bereits jetzt vorbestellt werden.