Selbstbewusstsein, Selbstwert

Glaube nicht alles, was du denkst

Immer mehr, immer schneller, immer belastbarer? Die zunehmende Beschleunigung ist ein Phänomen unserer Zeit und für viele Menschen eine große Zumutung. Eine andere Zumutung sind die anhaltenden Krisenlagen. Wirtschaftskrise, Rentenkrise, Klimakrise – in Zeiten, in denen wir stark beansprucht werden, beginnt unser Selbstbild zu schwächeln. Wie wir unseren Gedanken und Gefühlen positive Kraft verleihen.

Wir leben in einer Zeit, die uns täglich viel abverlangt, und in der uns die Dinge über den Kopf zu wachsen drohen. Die anhaltenden Krisenlagen sind vor allem eine Zumutung für unsere Gefühle, die immer dann durcheinandergeraten, wenn unser Organismus in einen dauerhaften Stresszustand gerät. Wir glauben dann eher dem Urteil der anderen, als dass wir auf die eigene Stärke vertrauen. Das begünstigt unsere negativen Glaubenssätze, die immer mehr Raum einnehmen, während unsere Fähigkeit zum mentalen Krisenmanagement nicht mehr mithalten kann. Doch diese Entwicklung unseres Gefühlshaushaltes ist umkehrbar.

Glaubenssätze sind unbewusste Überzeugungen über sich selbst, das Miteinander und die Welt. Die meisten entstehen in den ersten Lebensjahren und spuren sich tief in unser Gehirn ein. Dabei tragen wir sowohl positive als auch negative Glaubessätze in uns, wir sprechen auch vom Sonnen- und Schattenkind. Wie: „Ich bin gut.“ „Ich schaff das schon.“ Oder eben negative wie etwa: „Ich bin nichts wert.“ „Das kann ich gar nicht schaffen.“ Problematisch wird es, wenn wir die Welt zu häufig aus den Augen des Schattenkindes sehen, was in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung der Fall ist. Dann nämlich kommt es leicht zu einer Wahrnehmungsverzerrung. Wir sehen uns kleiner als wir tatsächlich sind, und die Probleme unverhältnismäßig groß. Das kann nicht gut gehen, denn wenn das Negative in unserem emotionalen Rucksack zu viel Gewicht bekommt, können wir der Schönheit unseres Lebens nicht mehr gewahr werden. Mit den Zumutungen dieser Zeit können wir deshalb am ehesten klarkommen, wenn es uns gelingt, auch negativen Gedanken und Gefühlen positive Kraft zu verleihen.

„Wir werden, was wir glauben“,

sagte der amerikanische Autor Earl Nightingale und behält Recht mit dieser Annahme. Mein Rat lautet deshalb: Entdecke dein Sonnenkind. Um sich stark und lebendig zu fühlen, hilft die Arbeit mit dem inneren Kind und dafür müssen beide Anteile gut im Erwachsenen-Ich integriert sein. Wenn wir aber neue Wege gehen und uns von unseren alten Mustern befreien wollen, benötigen wir etwas, das wir an die Stelle des Alten setzen können. Deshalb sollten wir an dieser Stelle Glaubenssätze finden, die unsere Stärken unterstützen. Am besten wir kehren unsere Kernglaubenssätze einfach um und machen aus „Ich bin wertlos“ oder „Ich genüge nicht“ „Ich bin wertvoll“ oder „Ich genüge.“ Die Umkehrung macht es unserem Gehirn einfacher, neue Glaubenssätze abzuspeichern und in unserem Unterbewusstsein als abrufbare Erfahrungswerte zu lagern. Dafür ist es wichtig, dass wir uns unserer Stärken und Ressourcen, wie Humor, Mut oder soziale Kompetenz, bewusstwerden und uns für sie entscheiden. Und wenn das Schattenkind am Ende doch die Oberhand gewinnt?

Dann sollten wir dies möglichst früh erkennen, ganz bewusst auf unser Erwachsenen-Ich umschalten und Abstand gewinnen. Ertappen und Umschalten bezeichne ich mit einem Augenzwinkern als das Steffi- Stahl-Mantra. Wenn du schon mein Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ gelesen oder meine Podcasts gehört hast, dann hast du damit bereits Bekanntschaft gemacht. Im Wesentlichen geht es immer um denselben Punkt: Unterscheide die Vergangenheit von der Gegenwart! Befreie dich aus der Matrix deiner frühen Prägungen. Die Basis-Übung hierfür ist, dass man merkt, wenn man wieder im alten Muster gefangen ist und die Welt durch den Blickwinkel des Schattenkindes wahrnimmt. Dafür müssen wir tief in uns hineinspüren, um unguten Gefühlen gewahr zu werden, die uns vielleicht schon ein Leben lang begleiten. Die Glaubenssätze an sich würden nämlich wenig ausrichten, wenn sie nicht mit belastenden Gefühlen verbunden wären. Wenn ich denke „Ich genüge nicht“, dann hat dieser Gedanke nur insofern Kraft, als er mit einem Gefühl von Minderwertigkeit und Unterlegenheit einhergeht. Gefühle von Angst, Scham, Trauer oder Hilflosigkeit können sich einstellen.

Spüre tief in dich hinein

Sobald also dieses altbekannte Gefühl in dir hochkommt, ertappe dich! Und dann schalte um auf dein Erwachsenen-Ich, deinen rational denkenden Verstand. Mit dessen Hilfe kannst du erkennen, dass du gerade im falschen Film bist. Wenn du dich zum Beispiel mal wieder gekränkt fühlst, dann ertappe dich sofort, schalte auf dein Erwachsenen-Ich um und frage dich: Hat diese Kränkung wirklich im Hier und Jetzt stattgefunden oder hat sie eher mit meiner Vergangenheit zu tun? Analysiere die Situation und stelle fest, ob du sie vielleicht sogar verzerrt wahrnimmst, weil ein alter Trigger bedient wurde. Falls du dich rechtzeitig ertappst, die Gefühle dich also noch nicht völlig vereinnahmen, dann kannst du dich und dein Verhalten noch rechtzeitig regulieren und angemessen auf die Situation reagieren. Dabei ist Ertappen und Umschalten besonders effektiv, wenn du auf einen neuen, positiv-realistischen Glaubenssatz umschalten kannst, der angemessene Gefühle erzeugt. Probiere das gern direkt mal aus. Welchen neuen Glaubenssatz könntest du dir bei deinem aktuellen Problem sagen? Schreibe ihn am besten gleich auf.

Unsere Glaubenssätze sind ein zentraler Bestandteil unseres Selbstbildes. Wenn ich der Überzeugung bin, dass ich nicht genüge, dann rechne ich eher mit Ablehnung durch andere Menschen, als wenn ich mich grundsätzlich okay finde. Unser Gehirn berechnet seine Erwartungen häufig auf der Grundlage dieser verinnerlichten Überzeugungen. Aufgrund der Fehlerhaftigkeit unserer negativen Glaubenssätze fällt diese Berechnung oftmals jedoch falsch aus. Es ist eine Frage des Trainings. Je öfter ich Ertappen und Umschalten übe, desto seltener gerate ich den Schattenkindzustand und desto tiefer spuren sich die neuen sonnigen Programme in mein Gehirn ein. Selbst in tristen Zeiten.

Weitersagen:

Selbstreflexion: ja! Selbstabwertung: nein!

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