Selbstfürsorge ist Fürsorge!

Für unsere innere Ausgeglichenheit ist es zentral, unsere Grundbedürfnisse gut zu erfüllen. Eine kleine Reflexion zum Umgang von Eltern mit Überforderung und Ruhepausen.

Bei den Vögeln ist es klar: Nur, wenn die Vogeleltern ausreichend genährt sind, können sie ihre Jungen, die ja noch im Nest hocken, gut versorgen. Wir Menschen meinen jedoch manchmal, wir müssten uns nicht an dieses Gesetz halten. Viele Menschen, vor allem Eltern, sind bis an die Grenzen erschöpft. Bei dem Versuch Haushalt, Familie, Beruf und die Paarbeziehung zu vereinbaren, geht uns die Selbstfürsorge des Öfteren verloren. Es ist als würde beim Jonglieren der „Selbstfürsorge-Ball“ runterfallen und nicht wieder aufgehoben. Das betrifft besonders Alleinerziehende, die meistens noch mehr eingespannt sind und noch weniger Zeit für sich haben.

Dabei wissen wir alle im Grunde genommen, dass wir ausgeglichener sind, wenn wir uns gut versorgen. Sind wir hungrig, nicht ausgeschlafen oder haben wir einen Hangover vom Vorabend, neigen wir eher zu Gefühlsausbrüchen. In diesem Zustand sind wir dünnhäutiger und oft reichen kleine Auslöser und wir fahren aus der Haut. Je besser es uns gelingt, unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen, desto stabiler stehen wir in der Welt und umso gelassener können wir die Erziehungsverantwortung wahrnehmen. Wenn wir also dafür sorgen,
dass wir ausreichend Schlaf, Essen, Bewegung und auch Spaß, Freude, Sex, Liebe und Freundschaft im Leben haben, sind unsere Grundbedürfnisse erfüllt, und wir fühlen uns wohl in unserer Haut. Vielleicht denkst du jetzt: „All das hätte ich ja gerne, aber wie soll das auch noch gehen?“ Gerade, wenn die Kinder klein sind oder man allein die Verantwortung für die Familie trägt, fühlt man sich in der Regel rund um die Uhr von der Familie gefordert und die Selbstfürsorge kommt oftmals abhanden.

Solltest du jetzt mit dem Kopf nicken und dich bei zu wenig Selbstfürsorge ertappt haben, dann prüfe zunächst deine Glaubenssätze rund um deinen Alltag und um Elternschaft. Mütter meinen manchmal: „Nur eine Mutter die ihr Letztes gibt, ist eine gute Mutter.“ Alleinerziehende glauben des Öfteren: „Ich muss es doch alleine schaffen.“ Und der ein oder andere Vater erlaubt sich keine ruhige Minute, weil er davon überzeugt ist: „Ein echter Vater darf nicht auf der faulen Haut liegen.“ Oft liegt unter diesen Überzeugungen, die uns leicht in die totale Überforderung treiben können, letztlich der Kernglaubenssatz „Ich genüge nicht“ in all seinen Varianten. Weil dieser Glaubenssatz in uns wirkt, sind wir der Ansicht, wir müssten uns extrem anstrengen. Solche Glaubenssätze sind Selbstfürsorge-Verhinderer.
Wenn du nun in dein Erwachsenen-Ich umschaltest und dir einmal überlegst, ob du ein besserer Vater oder eine bessere Mutter bist, wenn du dich oft ausgelaugt fühlst oder wenn du dich wohl in deiner Haut fühlst und deine Bedürfnisse nicht zu kurz kommen, liegt die Antwort auf der Hand: Wenn du gut für dich selbst sorgst, kannst du deine Aufgabe als Eltern besser erfüllen. Bist du hingegen gereizt, dann geht dir auch schneller das Wohlwollen für deine Kinder aus. Insofern stellt eine gute Selbstfürsorge auch eine gute Fürsorge für deine Kinder dar. Mach dir bitte klar, dass du dich selbst besser fühlst und mehr an deinen Leben freuen kannst und letztlich auch ein besserer Mensch beziehungsweise besserer Elternteil bist, wenn es dir selbst gut geht. Gib dir mit deinem Erwachsenen-Ich die Erlaubnis, auch einmal etwas für dich zu tun. Darüber hinaus könntest du, wenn du möchtest, jene Glaubenssätze entmachten, die dich ins Hamsterrad treiben.

Vielleicht stellst du aber auch fest, dass es gar nicht die Glaubenssätze allein sind, die dich antreiben, sondern du siehst ganz objektiv: „Mein Tag ist einfach zu voll.“ Dann empfehlen wir dir, kleine und kleinste Selbstfürsorge-Einheiten für dich einzuplanen: Trinke in Ruhe einen Kaffee, höre Musik oder mache ein Kurzschläfchen. Doch auch größere Selbstfürsorge-Zeiten sollten drin sein: Ein Kinoabend, ein Sauna-Besuch oder ein ausgedehnter Spaziergang mit einem Freund/einer Freundin. Geht nicht? Dann brauchst du Unterstützung. Frage dich: Wer könnte dir helfen? Wen könntest du fragen? Gibt es wirklich niemanden, den du bitten kannst, ab und an deine Kinder zu hüten? Oder kommt dir vielleicht doch ein Glaubenssatz wie „Starke Menschen fragen nicht um Hilfe“, in die Quere und verhindert deine Selbstfürsorge?
Mache dir bewusst: Du musst nicht alles alleine schaffen. Starke Mütter und Väter können auch Hilfe annehmen.

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